Bericht über den Workshop “Zwischen Bibliothekaren und Bücherwürmern: Gesellschaftliches und politisches Engagement von Information Professionals”
* TeilnehmerInnen (und auch die, die nicht dabei waren) sind herzlich eingeladen ihre Ergänzungen, Kommentare, Anregungen, Kritik etc. als Kommentare einzubringen*
Am Dienstag den 27.11.2012 fand im BBK (Berlin Bibliothekswissenschaftliches Kolloquium) eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „gesellschaftliches und politisches Engagement von Information Professionals“ statt.
Der Artikel Zwischen Bibliothekaren und Bücherwürmern: über das (fehlende) soziale Engagement der Information Community“ (Bibliotheksdienst Heft 3/4 S.171-181) liefert weitere Hintergrund-Information für die Veranstaltung.
Schwerpunkt der Veranstaltung war die Rolle der Lehre und Forschung als Institutionen, die dieses wichtige Thema als einen integralen Teil des beruflichen Diskurses etablieren können.
Somit kann Einfluss auf das Kernproblem, so wie ich es sehe, genommen werden. Nämlich dass informations- und netzpolitische Themen (die von der Informationsethik nicht wegzudenken sind) einfach nicht ein Teil des professionellen Diskurses sind.
Auch in der Lehre an den meisten Ausbildungsstätten fehlen sie – was eine Art Teufelskreis bildet. Denn es ist u.a. die Rolle der Lehre, gesellschaftlich bewusste Information Professionals auszubilden, die sich später in der Forschung, in der Praxis, in den Verbänden und vielleicht auch im Privatleben mit diesen Themen auseinandersetzen.
Nach einem kurzen Vortrag meinerseits, den Sie sich unter diesem Link anhören können, fand eine sehr lebendige und interessante Diskussion mit dem Publikum statt. Leider konnte die Diskussion nicht aufgenommen bzw. hier schriftlich komplett angeführt werden.
Anmerkungen zur Diskussion
Erfreulicherweise, wurde es hauptsächlich nicht über „ob“ sondern wie diese Themen in der Lehre und Praxis etabliert werden können:
- Etablierung in die Curricula:
Sollen Lehrveranstaltungen zum Thema im Basisstudium (Pflichtveranstaltung) oder in der Vertiefungsphase (Wahl) stattfinden?
Soll das Thema eher in die verschiedenen Lehrveranstaltungen eingebunden werden, sodass es einen konkreten Bezug gäbe?
Oder etwa eine Kombination von beiden – Basiskurse um das Verständnis zu den Themen und die Methodik zu verleihen, damit diese später in konkreten Fällen eingesetzt werden könnten? - Welche Inhalte sollen vermittelt werden?
Mehr Theorie (Methodik, ethische Grundsätze, Verständnis für Strukturen…) oder Behandlung von aktuellen Beispielen (S. Vortrag)? - In wieweit kann die Lehre Interesse bei den Studierenden erzeugen und was soll auch von Seite der Studierende kommen?
- Was passiert eigentlich in der Praxis?
Dafür gab es einige Beiträge von KollegInnen aus öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken. Diese haben veranschaulicht, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema sehr unterschiedlich stattfindet und so gut wie immer vom freiwilligen Einsatz eines/r MitarbeiterIn abhängig ist. - Was haben diese Themen mit der Identitätsfrage (oder Identitätskrise?) unseres Faches zu tun?
Wie es immer bei der Informationsethik ist, waren eindeutige Antworte für alle Fragen schwer zu finden. Aber das war auch nicht Ziel und Zweck der Veranstaltung, sondern einen Austausch über das Thema zu ermöglichen und einen Denkanstoß zu geben. Dies war, so mein Eindruck, gut gelungen.
Appell an die Informationsberufe
Schließen möchte ich mit einem Appell an die Informationsberufe, die ich während der Diskussion eingebracht habe:
Nicht nur „eng“ auf die eigene Praxis zu schauen.
Das heißt, nicht nur über die Informationspraxis an sich (z.B. Erschließung, Rechrche) und den unmittelbar-betroffenen Kreis (die NutzerInnen/KundInnen, die Kommune, die übergeordnete Institution), sondern versuchen auch einen Schritt zurück zu nehmen und die Informationspraxis (z.B. „die Bibliothek“) im größeren Kontext als ein Teil einer Gesellschaft und eines politischen Systems zu betrachten.
Welche Wechselbeziehung es zwischen der Informationspraxis und dem größeren Rahmen gibt?
Welche gesellschaftlich-politische Rolle soll die Informationspraxis erfüllen, und tut sie das wirklich?
Welche Widersprüche können entstehen, wenn man die eigene Praxis auf dieser Art und Weise betrachtet? Und wie lassen sie sich lösen?
…
So eine Betrachtung unserer Praxis und Forschung wäre sehr Aufschlussreich für die Zukunft unseres Faches.
Links:
- Vortag anhören.
- Abstract lesen.
- Artikel „Zwischen Bibliothekaren und Bücherwürmern: über das (fehlende) soziale Engagement der Information Community“ (Bibliotheksdienst Heft 3/4 S.171-181) lesen.

